Aztekenreich: Geschichte


Aztekenreich: Geschichte
Aztekenreich: Geschichte
 
Das Aztekenreich war eine von drei Hochkulturen, die gegen Ende der präkolumbianischen Zeit ihre Blüte erlebten. Die Azteken, der bedeutendste Indianerstamm der Nahua-Sprachgruppe, wanderten im 13 Jahrhundert ins Hochtal von Mexiko ein. Die von ihnen aufgebaute Hauptstadt Tenochtitlán gehört zu den bekanntesten Zentren der altamerikanischen Kultur; sie zählte etwa 75000 Einwohner. Die Tempel- und Palastbauten, Kolossalstatuen mit Götterdarstellungen sowie die Keramik- und besonders die Vasenmalerei stellen bemerkenwerte Kulturobjekte dar. Das Aztekenreich, das seine Blüte in der Zeit von 1427 bis 1519 erlebte, entstand durch militärische Expansion und war ein politisch wenig stabiles Staatsgebilde, zu dessen wichtigsten Gesellschaftsgruppen neben dem von einem Ältestenrat umgebenen Herrscher der Kriegeradel und (Mais-)Bauern gehörten, wobei die Formen der Abhängigkeit und Unterwerfung sehr unterschiedlich ausgeprägt waren.
 
Unter Itzcoatl (1428-40) war es dem aztekischen Stadtstaat Tenochtitlán gelungen, durch die Befreiung von der Vorherrschaft der Tepaneken und durch die Gründung eines Städtebundes mit den benachbarten Stadtstaaten Texcoco und Tlacopán einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zur mittelamerikanischen Großmacht zu tun. Unter Moctezuma I. (1440-69) gewannen die Azteken die Vorherrschaft im Dreibund und erweiterten ihr Territorium bis an die Küsten des Atlantiks und des Pazifiks. Diese Expansionspolitik, die jedoch nicht auf Landgewinn, sondern auf die Erlangung von Tributen und von Gefangenen, die zur Opferung bestimmt waren, ausgerichtet war, wurde bis zu Beginn des 16. Jahrhunderts fortgesetzt. Moctezuma II. Xocoyotzin (1502-20) gelang es, die Mixteken zu unterwerfen, Texcoco abhängig zu machen und damit das Aztekenreich seinem machtpolitischen Höhepunkt zuzuführen. Die Hauptstadt Tenochtitlán hatte zu dieser Zeit etwa 250000 Einwohner.
 
Zur Zeit Moctezumas II. beziehungsweise bei der Eroberung durch die Spanier umfasste das aztekische Großreich 38 Stadtprovinzen, die zwar dem Reich tributpflichtig, aber verwaltungsmäßig selbstständig waren. Einzelne Stadtstaaten, wie z. B. Tlaxcala, waren sogar politisch unabhängig, sodass von einem geschlossenen Staatsgebilde nicht gesprochen werden kann. Dennoch wurden Herrschaft und Verwaltung zunehmend zentralisiert und die mehr als 700 Stämme, die zur Zeit der Eroberung noch existierten, der staatlichen Bürokratie unterstellt.
 
Die gesellschaftlich führenden Stände setzten sich aus dem alten Stammesadel sowie neuem Militäradel zusammen, wozu privilegierte Priester und hohe Beamte kamen. Ebenfalls Vorrechte genossen die Groß- beziehungsweise Fernhandelskaufleute, die oft auch Aufklärungsdienste leisteten. Ihnen folgte eine erbliche und von landwirtschaftlicher Arbeit befreite Handwerkerschicht, die den Luxusbedarf der herrschenden Schicht zu decken hatte. Die Bodenbearbeitung erfolgte aufgeteilt nach Calpullis, das heißt familienweise zugeteilten Ländereien, die Privateigentum darstellten, aber unveräußerlich waren und im Falle fehlender Nachkommenschaft an die Gemeinschaft zurückfielen. Schließlich gehörten zur niederen Schicht noch Pächter sowie Sklaven, die überwiegend Trägerdienste leisteten und im häuslichen Bereich eingesetzt wurden.
 
Die europäische Invasion in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts bedeutete das Ende der aztekischen Hochkultur und den Zerfall eines blühenden Großreichs.

Universal-Lexikon. 2012.

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